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Im Gespräch: Ana Johnsson
Nicht nur auf dem Snowboard macht Ana Johnsson eine gute Figur.
(tsch)
Ein Fernsehstudio in München. Auf dem Sofa in einem kleinen, kahlen Zimmer sitzt Ana Johnsson, 27 Jahre alt, aus Schweden. Sie ist blond, sportlich und aus dem Nichts aufgetaucht. Mit "The Way I Am" hat sie gerade Ihr Debüt-Album auf Sony veröffentlicht und mit "We Are" einen Song für den Soundtrack von "Spider-Man 2" aufgenommen. Die Zeichen stehen also auf Erfolg. Und - so ist das ja bei erfolgreichen Künstlern - die Zeit ist knapp. Denn gleich muss Ana in die Maske, um bei der Aufzeichnung zur "Chartshow" auf ProSieben eine gute Figur und ein gutes Gesicht zu machen. Trotzdem - Zeit für einen kleinen Plausch bleibt allemal.
teleschau: Hast du nicht manchmal das Gefühl, dass du Dich im Netz des Spiderman verheddert hast?
Ana Johnsson: Natürlich gab es jetzt um die Sache mit dem Song für "Spider-Man 2" einen Haufen Wirbel. Aber ich betrachte das eher als einen riesige Chance. Insofern hätte ich gar keine Probleme damit, im Netz des Spiderman gefangen zu sein.
teleschau: Fühlst du dich nicht zu sehr auf diese eine Sache reduziert?
Ana Johnsson: Ich glaube, dass sich das in zwei, drei Monaten wieder gelegt hat. Länger wird das nicht anhalten.
teleschau: Wie bist du dazu gekommen, einen Song für den Soundtrack aufzunehmen?
Ana Johnsson: Meine deutsche Plattenfirma Sony hat mich im vergangenen Sommer zu einer Kreuzfahrt in die Karibik eingeladen. Einige andere Künstler waren auch noch dabei, eine ganze Reihe von potenziellen Kooperationspartnern, Leute aus den Medien, von der Presse und vom Fernsehen. Einer der Chefs von Sony war ebenfalls da und ziemlich begeistert von mir. Zwei Monate später habe ich einen Anruf bekommen, und er hat mich gefragt, ob ich einen Song für "Spider-Man 2" aufnehmen möchte.
teleschau: Hast du den Song "We Are" speziell für "Spider-Man 2" aufgenommen oder existierte das Lied bereits davor?
Ana Johnsson: Ich habe den Song nicht selber geschrieben - und das Lied war auch überhaupt nicht für den Film gedacht. Eigentlich war das lustig. Ich habe einen von den Jungs getroffen, mit denen ich arbeite, wir haben eine Tasse Kaffee getrunken und über das ganze "Spider-Man"-Ding geredet, weil wir den Job eigentlich mit einem anderen Song bekommen hatten. Das ursprüngliche Lied hieß "Life" und ist jetzt auf meinem neuen Album. Wir haben darüber geredet, ein Lied zu finden, das noch besser zum Film passt. Er hat mir dann "We Are" vorgespielt, und ich war sofort Feuer und Flamme.
teleschau: Wie wirkt der Song im Film auf dich selbst?
Ana Johnsson: Da gibt es eine Szene, in der Peter Parker mit seiner Tante spricht. Und er sagt: "I'm so lone and I'm responsible", und das ist exakt eine Textzeile aus dem Lied. Da habe ich eine richtige Gänsehaut bekommen! Ich bin fast aus dem Stuhl gefallen, als ich das gehört habe - eben weil das Lied nicht für den Film geschrieben war. Vielleicht ist das Schicksal!
teleschau: Was war deine Rolle im Songwriting-Prozess für dein Album "The Way I Am"?
Ana Johnsson: "We Are" war das erste Lied, das wir aufgenommen haben, das ich nicht selbst geschrieben habe.
teleschau: Aber du arbeitest doch mit zwei Songwritern und einem Producer-Team zusammen! Was machen die denn dann?
Ana Johnsson: Ja, ich habe mit sehr vielen verschiedenen Leuten zusammen gearbeitet, ganz besonders in den letzten paar Monaten. Aber der Grund dafür war hauptsächlich, dass wir alles rechtzeitig fertig kriegen wollten. In der Hauptsache habe ich mit zwei verschiedenen Teams gearbeitet und werde in den nächsten paar Monaten auch weiterhin mit ihnen arbeiten. Aber ich werde bald auch ein paar andere Leute ausprobieren, um neue Wege zu gehen. Aber die Songs sind meine!
teleschau: Aber wie funktioniert das nun genau, wenn ihr an einem Song arbeitet?
Ana Johnsson: Das ist jedes Mal unterschiedlich. Meistens sitzen wir einfach da, spielen Gitarre und probieren rum. Oder es ist so, dass ich eine Melodie in meinem Kopf habe oder eine Idee, worum es in einem Song gehen könnte. Und dann fangen wir einfach an. In der Regel schreibe ich aber den Großteil der Texte selbst.
teleschau: Spielst du selber Gitarre?
Ana Johnsson: Ein kleines bisschen. Aber ich traue mich nicht, auf der Bühne zu spielen. Ich würde das einfach gerne besser können.
teleschau: Hast du eine feste Band für Konzerte oder TV-Auftritte?
Ana Johnsson: Ich hatte eine Band, aber jetzt nicht mehr. Für die nächste Tour würde ich gerne wieder eine feste Crew von Musikern zusammenstellen. Das wäre ein Traum von mir, Teil einer Band zu sein und Erfahrungen teilen zu können. Solo-Künstlerin ist eher meine zweite Wahl. Wenn ich jetzt an einem Abend die beste und tollste Show gemacht habe, dann habe ich niemandem, mit dem ich darüber reden kann. Ich bin schließlich sehr viel unterwegs. Und auch wenn ich da echt viele coole Leute treffe - am Ende sitze ich wieder alleine in meinem Hotelzimmer.
teleschau: Genießt du die Publicity, die du jetzt bekommst, oder ist das eher ein lästiger Nebeneffekt der ganzen Sache?
Ana Johnsson: Das kommt darauf an. Was mir am meisten Spaß macht, ist live zu spielen. Wenn ich es so hätte, wie ich es will, dann wäre ich die meiste Zeit des Jahres auf Tour. Den Promotion-Teil der ganzen Sache würde ich dann etwas schmaler ausfallen lassen. Aber jetzt am Anfang meiner Karriere muss das wohl sein. Prinzipiell habe ich kein Problem damit, in den Medien auftauchen, das ist schon ganz cool. Aber ich bin nicht geil darauf.
teleschau: Warum hast du das Album jetzt als Ana Johnsson veröffentlicht? Auf deiner ersten Single hast du dich nur Ana genannt.
Ana Johnsson: Ich fand, dass nur Ana einfach zu anonym ist. Wenn ich das im Radio hören würde, würde ich mir denken - "Ana wer?" Es ging mir einfach darum, das alles persönlicher zu machen.
teleschau: Was ist die Geschichte hinter deinem Album? Wie bist du dazu gekommen, aus dem Nichts einen Vertrag bei einem Riesen wie Sony zu bekommen?
Ana Johnsson: Weil ich unter einem Glücksstern geboren wurde. Ich weiß es auch nicht, aber ich habe mich einfach voll reingestürzt, ich war immer experimentierfreudig und habe keine Angst vor irgendetwas gehabt. Ich habe einfach die Gelegenheit gepackt. Musik hat immer eine große Rolle für mich gespielt, aber so richtig wichtig wurde es für mich, als ich mit 17 meine erste Band hatte. Vor drei Jahren habe ich angefangen, mehr eigene Songs zu schreiben, dann habe ich einfach die richtigen Leute getroffen. Jetzt mache ich das, was ich immer wollte.
teleschau: Wenn du deine eigene Musik mit der eines anderen Künstlers vergleichen müsstest, welche Band oder welcher Musiker wäre das dann?
Ana Johnsson: Das ist so schwer. Ich kann mich nicht selbst vergleichen, aber ich weiß, was die Leute sagen. Die vergleichen mich mit allem von Alanis Morissette über PJ Harvey bis - natürlich - Avril Lavigne. Aber Letzteres hat wahrscheinlich mehr mit dem Dresscode zu tun.
teleschau: War es eine bewusste Entscheidung, den Stil von Avril Lavigne zu kopieren?
Ana Johnsson: Nein, so auszusehen wie jemand anderes würde nicht klappen. Ich hatte schon immer Baggy-Hosen an und war eher so ein Snowboard-Chick. Aber im Ernst: Avril Lavigne kleidet sich doch anders - sie ist eher ein bisschen punkig!
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